Die Integration der virtuellen Mobilität in Europa
7 Feb 2006.   29903 visits
Authors
Helena Bijnens, project coordinator, EUROPACE
Ilse Op de Beeck, REVE project's coordinator, EUROPACE
Obwohl die physische Mobilität der Studenten in Europa immer noch sehr gering ist – im Jahr 2000 studierten lediglich 2,3 % der europäischen Studenten im europäischen Ausland 1 – stellen wir fest, dass Mobilität für die Bildungspolitiker zunehmend wichtiger wird und dass auch die Universitäten und Hochschulen die Wichtigkeit der Internationalisierung immer mehr betonen.
Dies wird auch von der Tatsache gestützt, dass die Europäische Kommission in ihrem Integrierten Aktionsprogramm im Bereich des lebenslanges Lernens das Ziel vorgegeben hat, dass im Jahr 2011 3 000 000 europäische Studenten am Erasmus-Programm teilnehmen sollen2.

Die Notwendigkeit virtueller Mobilität
Aber was ist mit den restlichen 80 % der Studenten: jenen, denen eine Teilnahme am Erasmus-Programm aus sozialen, finanziellen oder anderen Gründen nicht möglich ist? Auch hier besteht ein enormes Interesse an der Idee virtueller Erasmus- bzw. virtueller Mobilitäts-Programme, begriffen als Bildungsoptionen, die nicht mehr ortsgebunden sind und somit eine Zusammenarbeit mit ausländischen Studenten und Lehrkräften ermöglichen. Optionen, die Lernende in die Lage versetzen, unabhängig von ihrem tatsächlichen Aufenthaltsort Kurse zu belegen, also z. B. zu Hause, am Arbeitsplatz oder als Erasmus-Student an einer Gastuniversität, der an Kursen seiner Heimat- oder einer dritten Universität teilnimmt. Die virtuelle Mobilität wird durch die Nutzung informations- und kommunikationstechnisch gestützter Umgebungen, die z. B. Videokonferenzen, Live-Streaming, gemeinsame Arbeitsbereiche oder computervermittelte Konferenzen umfassen können, ermöglicht.

Arten virtueller Mobilität
Virtuelle Mobilität kann in vielen unterschiedlichen Weisen interpretiert werden, und sie wird seit einiger Zeit von der Europäischen Kommission (wie auch von nationalen Behörden und einzelnen Institutionen) aktiv gefördert, hauptsächlich durch die finanzielle Unterstützung von Projekten im Rahmen des SOCRATES/Minerva3- und des eLearning-Programms4. Virtuelle Mobilität kann beinhalten:

  • Teilnahme an Kursen ausländischer Universitäten von zu Hause aus und umgekehrt
  • Ergänzung des bestehenden, realen Erasmus-Austauschprogramms mit virtuellen Elementen in der Vorbereitungs- und der Rückkehrphase (Studentenauswahl, sprachliche Vorbereitung, Beurteilung aus der Distanz usw.)
  • Virtuelle Praktika in ausländischen Unternehmen
  • Virtuelle Vorlesungen von Gastdozenten ausländischer Universitäten für Studenten anderer Universitäten
Der Nutzen
Die virtuelle Mobilität von Lehrkräften und Studenten ermöglicht es ihnen, sprachlich, kulturell und bildungsmäßig, vor allem in ihrem (akademischen) Studienbereich, von der Erfahrung anderer europäischer Länder zu profitieren. Sowohl die Studenten als auch die Lehrkräfte entwickeln die für ein Arbeitsleben, in dem die Internationalisierung eine zunehmend größere Rolle spielt, notwendigen Fertigkeiten.

Sie kann bei den Studenten und Lehrkräften, die lernen, in grenzüberschreitenden Teams zusammenzuarbeiten, einen europäischen Bürgersinn entstehen lassen. Außerdem ermöglicht die virtuelle Mobilität für all jene, die aus sozialen, geografischen oder anderen Gründen nicht von den existierenden Präsenzprogrammen profitieren können, einen europaweiten Austauschº.

Auf der institutionellen Ebene steigern Initiativen zur virtuellen Mobilität den gesunden Wettbewerb zwischen den Institutionen und tragen damit zur Wettbewerbsfähigkeit und Attraktivität der Bildungsangebote bei. Sie stellen eine Bereicherung des regulären Bildungsumfelds aller Institutionen dar.

Förderung der virtuellen Mobilität
Eines der diversen innovativen Projekte im Bereich der virtuellen Mobilität ist das REVE-Projekt, das vom eLearning-Programm der Europäischen Kommission unterstützt und von EuroPACE ivzw (IvoG) koordiniert wird. REVE zielt darauf ab, echte virtuelle Erasmus-Programme in traditionellen Universitäten durchzuführen und entwickelt auch die dafür erforderlichen Dienstleistungen. Weiterführende Informationen über REVE finden Sie auf http://reve.europace.org/ (nur Englisch).

Es fehlt jedoch häufig an einer koordinierten Förderung der wegbereitenden Aktivitäten im Bereich der virtuellen Mobilität, wodurch wesentliche Leistungen, Ergebnisse und Erfahrungen der Pilotprojekte in der Zielgruppe unbekannt bleiben. Als Ergebnis bleiben die Aktivitäten im Bereich der virtuellen Mobilität, die von wenigen Early Adopters organisiert werden, oft isolierte Einzelfälle und werden als nette „Zugabe“ zu einem normalen Kurs, statt als integraler Bestandteil desselben, verstanden. Diese Einstellung zur virtuellen Mobilität stellt ein Hindernis für die umfassende Zusammenarbeit der Hochschuleinrichtungen, ihrer Mitarbeiter und Studenten auf europäischer Ebene dar. Als Antwort auf die mangelnde koordinierte Förderung wurde das "Being Mobile"-Projekt gegründet. „Being Mobile“ hat kürzlich als begleitende Maßnahme des SOCRATES-Programms begonnen und soll das Bewusstsein dafür schärfen, wie die europäische Koordination im Bildungswesen durch virtuelle Mobilität gefördert werden kann. Zu diesem Zweck wird „Being Mobile“ eine zielgerichtete Verbreitungstätigkeit aufnehmen, die einen Workshop, eine Konferenz, eine Publikation und eine Website, die über alle Initiativen im Bereich der virtuellen Mobilität und ihre Ergebnisse informiert, umfasst. Weiterführende Informationen finden Sie auf http://www.being-mobile.net.
Web 2.0 tools
delicious   digg   Technorati   Yahoo
Also available in:
de en fr
Keywords
Related documents
Europa ist auf dem besten Weg, eine der Regionen mit der größten digitalen Kompetenz weltweit zu werden....
At the same time that the HECTIC project analysed how synergy and sustainability between EU policies and Higher Education could be achieved (see...
Being Mobile is an Accompanying Measure supported under the Socrates Programme of the European Commission (DG Education and Culture), which aims to...
Forums
Higher Education